Hitzewelle: So bleibt Ihre Wohnung ohne Klimaanlage kühler
Fensterläden, Fenster, Querlüftung und Ventilator: ein Plan für den Tagesverlauf, um die Hitze in Ihrer Wohnung während einer Schweizer Hitzewelle zu begrenzen.
Wenn sich die Hitze festsetzt und das Thermometer steigt, möchten wir oft um jeden Preis «Kälte erzeugen». Sinnvoller ist es, zuerst möglichst wenig Wärme hereinzulassen und sie dann zum richtigen Zeitpunkt hinauszubefördern. Dafür brauchen Sie keine teure Ausrüstung: Entscheidend ist, wann Sie handeln.
Ihr Sofortplan: die Wohnung vor 9 Uhr vor Sonne schützen · heute Abend die warme Luft hinauslassen · einer Person mit Hitzebeschwerden helfen · einen kühlen Aufenthaltsort finden
Vor 9 Uhr: Schützen Sie die Wohnung vor Sonne
Sobald es draussen so warm ist wie im Wohnzimmer, schliessen Sie die Fenster. Lassen Sie die Fensterläden oder Storen herunter, zuerst an den nach Süden und Westen gerichteten Fassaden. Ein Sonnenschutz auf der Aussenseite der Verglasung hält die Sonnenstrahlen bereits vor der Scheibe ab und wirkt deshalb deutlich besser als ein Vorhang im Inneren.
- Schliessen Sie zuerst die Fenster, auf die bereits die Sonne scheint.
- Halten Sie die Türen zu den Räumen geschlossen, die sich am schnellsten aufheizen.
- Ohne Fensterläden können dicke, helle Vorhänge helfen. Achten Sie darauf, dass sie nicht direkt an einer heissen Scheibe anliegen.
- Lassen Sie niemals ein Kind, eine gefährdete Person oder ein Tier in einem Fahrzeug zurück, auch nicht für wenige Minuten.
Von 9 Uhr bis zur Dämmerung: Vermeiden Sie zusätzliche Wärmequellen
Backofen, Kochplatten, Wäschetrockner, leistungsstarke Computer oder alte Glühbirnen geben Wärme in die Wohnung ab. Wählen Sie kalte Mahlzeiten, erledigen Sie kurze Kochvorgänge früh am Morgen, schalten Sie unnötige Geräte aus und verwenden Sie LED-Lampen. Auch eine gereinigte Rückseite des Kühlschranks oder ein abgetauter Gefrierschrank kann unnötiges Aufheizen verringern.
Tagsüber verlockt es, das Fenster «für etwas Luft» zu öffnen. Häufig wird der Raum dadurch aber schneller warm. Die Grundregel lautet: Ist die Luft draussen wärmer als drinnen, halten Sie die Fenster möglichst geschlossen. Bei Bedarf können Sie kurz lüften.
Der Ventilator: hilfreich, aber er kühlt die Luft nicht
Ein Ventilator senkt die Lufttemperatur nicht. Er beschleunigt aber die Verdunstung von Schweiss und kann sich dadurch angenehm anfühlen. Stellen Sie ihn so auf, dass sich die Luft in Ihrer Nähe bewegt. Richten Sie ihn nicht dauerhaft auf einen Säugling oder eine gesundheitlich empfindliche Person. Schalten Sie ihn beim Verlassen des Raums aus: In einem leeren Zimmer verbraucht er unnötig Strom.

Eine «Mini-Klimaanlage» mit Eiswürfeln
Die Idee: Stellen Sie eine grosse Schüssel mit Eiswürfeln, gefrorene Wasserbehälter oder Kühlakkus vor den Ventilator, mit Abstand zum Gerät und in einer flachen Auffangschale für Kondenswasser. Luft, die über die kalte Oberfläche strömt, kann örtlich und kurzzeitig Erleichterung bringen; einen ganzen Raum kühlt das nicht ab. Verwenden Sie nur unbeschädigte, zum Einfrieren geeignete Behälter und beachten Sie deren Gebrauchshinweise. Frieren Sie nicht irgendeine Flasche unbegrenzt wieder ein.
Sicherheit zuerst: Wasser und Elektrizität sind eine gefährliche Kombination. Halten Sie Wasser und Kondenswasser stets von Motor, Kabeln und Steckdosenleisten fern. Stellen Sie die Auffangschale auf eine rutschfeste Fläche am Boden, mit Abstand zum Gerät. Wischen Sie Wasserpfützen sofort auf.
Diese improvisierte Lösung ersetzt keine Klimaanlage. Sie kann nur örtlich und kurzzeitig Erleichterung verschaffen. In einer bereits sehr feuchten Umgebung ist sie weniger wirksam und kann die Luft zusätzlich feucht und unangenehm machen.
Drei weitere Möglichkeiten, den Ventilator einzusetzen
- Abends warme Luft hinausbefördern: Stellen Sie den Ventilator in die Nähe eines offenen Fensters, sodass er Luft nach draussen bläst. Öffnen Sie ein zweites Fenster auf der kühleren Seite der Wohnung, damit frische Luft nachströmen kann.
- Mit einem feuchten Tuch: Ein leicht feuchtes Tuch in der Nähe kann das Gefühl von Abkühlung verstärken. Befestigen Sie es sicher, damit es die Rotorblätter nie berührt. Es darf nicht tropfen und muss vom Motor entfernt bleiben.
- Direkt auf der Haut: Wischen Sie Arme, Nacken oder Beine mit einem feuchten Waschlappen ab, bevor Sie sich in den Luftstrom setzen. Die Verdunstung kühlt, ohne dass Sie Wasser ans Gerät bringen.
Abends und nachts: Die gespeicherte Wärme hinauslassen
Sobald es draussen kühler ist als in Ihrer Wohnung, öffnen Sie die Fenster. Sorgen Sie, sofern die Bauweise es ermöglicht, für Querlüftung zwischen zwei Fassaden. In einer Wohnung mit mehreren Stockwerken können gleichzeitig unten und oben geöffnete Fenster den natürlichen Abzug warmer Luft durch den Kamineffekt fördern.
- Achten Sie auf sinkende Aussentemperaturen.
- Öffnen Sie zwei gegenüberliegende Fenster mindestens 20 bis 30 Minuten lang.
- Sichern Sie die geöffneten Fenster sorgfältig, wenn Kleinkinder oder Haustiere im Haushalt leben.
- Bleibt es draussen kühl, können Sie die ganze Nacht weiterlüften, sofern dadurch kein Einbruchsrisiko entsteht.
- Schliessen Sie am frühen Morgen die Fenster wieder, bevor die Hitze zurückkehrt.
Fünf einfache Schritte für mehr Abkühlung
- Morgens: lüften Sie quer und schliessen Sie danach Fenster und Sonnenschutz.
- Tagsüber: kochen Sie möglichst wenig und schalten Sie unnötige Elektrogeräte aus.
- Für den Körper: Trinken Sie regelmässig und kühlen Sie Haut, Hände und Füsse.
- Abends: Warten Sie, bis die Luft draussen wirklich kühler ist, bevor Sie die Fenster öffnen.
- Für Ihr Umfeld: Erkundigen Sie sich nach Ihren Angehörigen, besonders nach gefährdeten Personen.
Wenn eine nahestehende Person zusammenhanglos spricht, eine sehr hohe Körpertemperatur hat oder bewusstlos wird, rufen Sie sofort 144 an und folgen Sie den Anweisungen des Rettungsdiensts. Warten Sie mit dem Anruf nicht, bis Sie einen Ratgeber gelesen haben. Unser Artikel erläutert ausserdem die Warnzeichen und die ersten Massnahmen:Hitzschlag: Warnzeichen und erste Hilfe.
Häufige Fragen (FAQ)
Sollten die Fenster den ganzen Tag offen bleiben?
Nicht während der Stunden, in denen es draussen wärmer ist als drinnen. Lüften Sie vor allem, wenn die Aussenluft kühler ist, meistens früh am Morgen, abends und nachts. Bei Bedarf ist auch tagsüber kurzes Lüften möglich.
Sollte man zur Abkühlung eiskalt duschen?
Eine kühle Dusche oder ein Bad kann den Körper abkühlen. Das BAG empfiehlt auch kühle Tücher sowie Hand- und Fussbäder. Eiskaltes Wasser ist dafür nicht erforderlich. Befolgen Sie bei Unwohlsein oder schweren Anzeichen medizinische Anweisungen und rufen Sie bei Bedarf 144 an.
Wie viel Wasser sollte man trinken?
Bei grosser Hitze empfiehlt das BAG der Allgemeinbevölkerung, mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag zu trinken, vorzugsweise Wasser oder ungesüsste Getränke und keinen Alkohol. Bei bestimmten Erkrankungen kann eine andere Trinkmenge erforderlich sein. Befolgen Sie in diesem Fall die Empfehlungen Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden oder einer besonderen medizinischen Behandlung an eine medizinische Fachperson.